Königl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels

Die Dame ohne Unterleib

Chronik-Inhalt

„Ich möcht' bloß an Luftballon, weiter nex !"
Das Lichtenfelser Schützenfest um das Jahr 1930
Fritz Köhlerschmidt erinnert sich / Von der "Dame ohne Unterleib"
abgedruckt im Obermainn-Tagblatt vom 18.Juli 2002


"Mutter wann geh´n wir denn endlich nein Freischießen?"   „Am Sunntouch, eher hamme ka Zeit!'"

Gut, dachte ich, bis dahin kann ich mein Freischießengeld noch etwas aufbessern: Hier an Nickel, dort a poa Fünferla, damit konnte ich schön in der Hosentasche klimpern.
Auf dem Schützenfestplatz angekommen, ging es einmal so rum, einmal anders rum, um zu gucken und zu staunen, was alles aufgebaut war.
Hier eine Bude mit dem elektrisch geladenen Mann.
Wenn ihm der Schreier eine Glühbirne an die Stirn hielt, brannte sie.
Dort eine Bude mit der „Riesendame“, oder etwas weiter „Die Frau ohne Unterleib“.
Hier standen die meisten Leute. „Lauf zu, des is nex für dich“, sagte die Mutter und schubste mich weiter.
"Mutter, ich möcht bloß an Luftballon, weiter nex !"
"Jetzt nuch nije, hamwärts vielleicht.  Wir, setz´n uns jetzt a weng nein Gart´n, ihr könnt derweil alla rumlaafn!“

Das war die Zeit, um unser Freischieß`ngeld auszugeben: einen Schöpfer Limo ins Glas, eine Makrone, eine Sirenenpfeife aus Blech, eine Rießensalzgurke, einen kleinen Ball an einer Gummischnur, um die Mädchen damit zu necken und ein Horoskop von der Wahrsagerin mit ihrem Papagei, der für zehn Pfennig ein Brieflein aus einer Schale pickte. Ein langes Leben hat er mir prophe-, zeit, dafür bin ich ihm heute noch dankbarl

"So - Kinder, jetzt gemme wieder ham!"   "Und ich kriech mein' Luftballon!"
Ich durfte mir einen aussuchen, einen schönen, großen, blauen.
„Der wird am Arm festgebunden“, sagt die Mutter, "sonst reißt er aus!" „Ach na, ich' pass' doch auf!"  "Festgemacht wird er", entschied sie.

Übers Bürglein durch Wiesen und Felder näherten wir uns der Neuen Welt.
Am Weg vor dem Bauernshof,  der „Probsta“ standen alte hohe Kirschbäume und da passierte es: Ein bißchen dilla-dalla rumgespielt am Knoten der Schnur und - o Schreck - der Ballon machte sich frei und landete im Geäst der Bäume.
"Muttää, mei Luftballon! "  „Ich hous ja gewisst, endlich is er weg, den huelt ka Mensch!“
„Ich will na obe", heulte ich los.
„Laaf zu, wir müss´n ham!"   „Ich woll obe mein Luftballon!" Da holte die Mutter aus mit ihrer sonst so gütigen Hand:
„Jetzt fängsta gleich ana, obe a g'scheita, dann hosta dein´ Luftballon und dei Freischieß´n a!



zum Seitenanfang