Königl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels

Die Jahrhundertfeier 1910

Chronik-Inhalt

Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Kgl. Privilegierten Scharfschützen-Gesellschaft wurde vom 9. mit 14.Juli 1910 das herkömmliche Freischießen in einen besonders festlichen Rahmen gestellt. Über Durchführung und Verlauf des Jubiläums gibt die aus erwähntem Anlaß verfaßte "Denkschrift" (ein wertvoller, reichbebilderter Band, den das Schützenarchiv verwahrt) ausführlichen Aufschluß. Bei der vereinsgeschichtlichen Bedeutung jenes Ereignisses findet der Festbericht, abgesehen von unwesentlichen Kürzungen, hier in gebührender Breite seinen Niederschlag. Der Geist und die Treue sowie der Stolz der Schützen auf ihr Werk, aber auch die Anhänglichkeit der Stadt und ihrer Bürger zu den Schützen, tritt uns aus jeder Zeile der Denkschrift entgegen.
Wir fühlen und erleben die enge Verbundenheit der Schützen zu Stadt und Land, wir nehmen teil an jener beschaulichen Geborgenheit der Friedensjahre vor dem ersten Weltkrieg, und wir atmen die gleiche frohe, unbeschwerte fränkische Heiterkeit und den tiefen mit der heimischen Erde verwurzelten Frohsinn, der uns schon in der Jäckschen Schilderung unseres Freischießens aus dem Jahre 1811 so herzlich fesselt. >>>>>
Wir erahnen zugleich aber auch die Quellen der Kraft, die seit Jahrhunderten über gute und schlechte Zeiten hinweg dem Schießsport hier Blüte und hohes Ansehen sicherten.
Der Festchronist schrieb damals:
Es treten Zeiten dein einzelnen Menschen, den Familien, den Vereinigungen, ja ganzen Nationen entgegen, die gebieterisch ein gewaltiges "Halt" zurufen! Gewiß, ein nie rastendes Kulturvolk, wie die Deutschen, mit seinen Fleiß und Können krönenden Erfolgen auf allen Gebieten, besonders der Kunst, Industrie und Technik, drängt immer in seinem Forschen und Suchen, in seinem Schaffen und Finden vorwärts und doch gibt es auch bei ihm beim Gedenken an geschichtliche oder kulturelle Ereignisse von immenser Bedeutung ein "Stillstand!". Und bei solchem Stillestehen schweift das Auge zurück in vergangene Zeiten, taucht der Geist unter, sich zu ergötzen, zu stärken, zu begeistern an den Lichtgestalten des Meeres der Vergangenheit! Fürwahr dem Wanderer gleich, der schweißgebadet sonnige Höhen erklommen, leuchtenden Auges zurückblickt auf die dahinterliegende Wegstrecke. >>>>>
Auch das Jahr 1910 trug in seinem Herzen für die Kgl. Priv. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels einen solchen Haltepunkt- ein Gedenkstein ists, hochaufgerichtet, auf dessen Lichtseite in weithin strahlenden, goldenen Ziffern die Zahl 100" glänzte.
Wenn auch in den spärlich vorhandenen Aufzeichnungen schon zu Anfang des 15.Jahrhunderts der "Schießgesellen" Erwähnung getan ist, wenn uns auch anfangs des 17.Jahrhunderts eine Einladung der Kronacher Schützengesellschaft an die Lichtenfelser Schießgesellen vorliegt - vermittelt durch den Bürgermeister und Rat der Stadt Lichtenfels -, so vermögen wir uns doch erst seit dem Jahre 1810 aus vorhandenen Protokollen und Rechnungen ein wirkliches, tatsächliches Bild über Vorgänge, Ereignisse und Entwicklung unserer Schützengesellschaft zu entwerfen. Ein beredter Zeuge aus jener Zeit ist eine an Ehrenstelle im Schießhaussaale hängende Tafel, welche aus dem Jahre 1810/11 stammt und die 68 Gründer der Schützengesellschaft namhaft aufführt. So war denn die Begehung des Hundertjährigen Jubiläums der Wiederbegründung der Kgl. Priv. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels im Jahre 1910 eine wohlbegründete. >>>>>
Doch, so jemand annehmen würde, das Jubeljahr 1910 sei so sorgen- und mühelos angebrochen, gleich einem von der beseelenden Morgensonne geküßten Maientage, der hätte noch nie ein Fest von solcher Bedeutung, von solchem Umfange mitgefeiert! Nein! Vielmehr traf schon die dem Feste vorangehenden Jahre ein gewisses Morgenrot des Jahre 1910; freilich war es noch verschleiert durch Wolken des Vorbereitens und Rüstens, des Richtens und Schlichtens! Wohlweislich hat ja alljährlich die Generalversammlung schon seit Jahren vordem die Leitung der Scharfschützen-Gesellschaft denselben erprobten Händen anvertraut:
Schützenmeister die Herren:
Fabrikbesitzer Heinrich Schardt in Schney und
Kgl. Kommerzienrat Georges Krauss dahier;
Vereinskassier:
Herr Oberlehrer Ludwig Hager;
zum Verwaltungsausschuß, zählten die Herren:
Buchbindermeister Hans Brückner
Kaufmann J. B. Dinkel
Postsekretär K. Ellert
Kaufmann Wilhelm Fickentscher
Kaufmann Udo Krauss
Gerbereibesitzer Andreas Mahr. >>>>>
Viel war des Ratens und Tatens! Und überschaue ich im Geiste nochmals all das Denken und Lenken, das unermüdliche Bescheiden und Bereiten, so erscheint vor mir die ScharfschützenGesellschaft Lichtenfels mit all ihren Mitgliedern als ein geeintes, von der Frühlingssonne zum vorbildlichen Fleiße neubelebtes Bienenvolk, dessen Glieder teils im Verborgenen bauen und weben, teils arbeitsfroh suchen und sammeln, teils eilen und tragen - nur Drohnen gab es nicht! Ein gütig Geschick waltete fürsorgend über unserer Gesellschaft- zur rechten Zeit walteten am rechten Ort die rechten Männer!
An der Spitze der Vorbereitungen zum Jubiläum, zur würdigen Durchführung desselben fanden wir Herrn Kgl. Kommerzienrat Georges Krauss, gewiß mit der ihn auszeichnenden Unisicht und Erfahrung, mit seiner unermüdlichen Ausdauer, mit der ihm eigenen Güte und Freundlichkeit der rechte Mann am rechten Orte! Treu und fest neben ihm stehend, Schulter an Schulter, Herr Fabrikbesitzer Heinrich Schardt in Schney mit seiner natürlichen Herzlichkeit, seinem immer sprudelnden Humor, seiner kernigen Schlagfertigkeit, für den das Wort so trefflich geprägt ist: "Und geht der Schuß auch um die Eck, sein Herz sitzt auf dem rechten Fleck!" Ja, in wohltuender Harmonie standen die sämtlichen Herren des Verwaltungsrates ihren beiden Schützenmeistern treu zur Seite. jeder zeigte sich an seinem Orte als der rechte Mann. Anerkennung ihrem Verdienste! >>>>>
Doch nicht der letzte Herr sei der zuletzt genannte! Nein! Als ältestes Mitglied der Schützengesellschaft, seit 1895 Ehrenmitglied derselben, mit kurzen Unterbrechungen vom Jahre 1862 bis zum Jahre 1884 Würde und Amt eines Schützenmeisters tragend, hat Herr Bürgermeister Adam Wenglein sich unauslöschliche, unvergeßliche Verdienste um die Scharfschützengesellschaft erworben. Aber trotzdem die Zahl der Jahre sein Haar gebleicht hat, schlägt sein Herz noch jugendfrisch für die heimatliche Schützengesellschaft. Das die gesamte Schützengesellschaft so überaus erfreuende und ehrende Interesse bekundete Herr Bürgermeister Wenglein damit, daß er anregte, ein bleibendes Gedenken an die Säcular-Feier zu schaffen: eine Ehrenkette. Freudige Zustimmung fand dieser edle Gedanke. Und fragst du, lieber Leser, nach der Geburts- und Werdestätte dieser Ehrenkette, besser dieser Ehrenketten - der Erfolg war ein alles Hoffen überbietender: 2 Ketten sind's geworden! fragst du nach Geburts- und Werdestätte, so bitte, komme mit ins Arbeitszimmer unseres allverehrten Herrn Bürgermeisters! Schon vom Jahre 1907 ab gingen von seiner Hand geschrieben an Allerhöchste, Höchste und Hohe Personen, an Bekannte und Freunde zahlreiche Bittgesuche ab um Stiftung einer Münze oder Medaille für die Ehrenkette zum 100jährigen Jubiläum. Es sei ins "Goldene Buch" mit goldenen Lettern eingetragen: alle einschlägigen Korrespondenzen, alle Bittgesuche an Allerhöchste, Höchste und Hohe Personen, alle hieraus sich ergebenden Dankschreiben hat unser in Treu besterprobtes Ehrenmitglied selbst getätigt. Welche Summe von Arbeit, welche Summe aber auch von Sympathie und Liebe für den Verein! ja im goldenen Buche mit goldenen Lettern für alle Zeiten
Bürgermeister Ehrenmitglied Adam Wenglein. >>>>>
Daß des rechten Mannes rechtes Wort auch den rechten Ort fand, das bezeugt der alles Erwarten weit überbietende Erfolg:
113 Denkmünzen
wurden als Festgabe zum edlen Zweck gespendet. Die von Hohen und Höchsten Herrschaften gewidmeten Münzen - 18 an der Zahl - sollten künstlerisch geeint werden zur Jubiläumskette; die übrigen - 95 an der Zahl - mögen die stattliche Schützenkönigskette bilden! Und so wurde der von Treue und Liebe geborene Gedanke unseres Herrn Ehrenmitgliedes Wenglein zur Tat, wie sie kein anderer Verein erfreulicher und ehrender aufzuweisen hat!
So rückten sie denn immer näher heran die Julitage der Jubiläumsfeier unserer Kgl. Priv. Scharfschützen-Gesellschaft im Zeichen des eifrigsten Rüstens und Richtens, des unermüdlichen Bereitens und Bescheidens, des emsigsten Bindens und Windens, nicht nur der Schützengilde, nein, der ganzen Stadt! Die Liebe und Wertschätzung zu unserer heimischen Schützengesellschaft war die hochgespannte Triebfeder schon seit Wochen und Tagen zu solch freudig Raten und Taten, Raffen und Schaffen! So ist's denn erfreuliche Tatsache-. nicht nur die Schützengesellschaft feiert für sich in diesen Tagen das 100jährige, seitdem ununterbrochene, geordnete Bestehen ihrer Gilde, nein, die ganze Stadt ruft begeistert und festfreudig in gegenwärtigen Tagen: Weg mit dem belastenden Staub des Alltages, Feiertage - Weihetage heute und morgen! Dank der Noblesse und Gastfreundschaft unserer Scharfschützengesellschaft kann alljährlich groß und klein, reich und arm, Stadt und Land ungehindert teilnehmen an den sommerlichen Freischießen. Der hundertjährige Zeitgang mit seinen hundert Jahresfeiern hat das "Freischießen" zum Gemeingut gemacht. So ist dieses Vereinsfest zum Volksfeste in des Wortes vollster und bester Bedeutung geworden. So ist denn auch die Hundertjahrfeier vom 9. mit 14.Juli 1910 ein allgemeines Bürger- und Stadtfest geworden! >>>>>
Zum Festfeiern gehört Festwetter! Der Himmel schaute unserem Feste düster entgegen: am Festsamstag (9.Juli 1910), vormittags, ging der Regen noch in Strömen nieder; aber trotz alledem herrschte auf der Festwiese eine Tätigkeit wie in einem Ameisenhaufen. Es galt die letzten Vorbereitungen zum Feste zu treffen. Der Berichterstatter unseres "Tagblattes" hat so recht aus den Augen und Herzen gelesen, wenn er berichtet: "Mag der Wetter-Himmel noch so sehr dräuen, wir kümmern uns nichts mehr um seine Gunst, das Fest wird gefeiert, und zwar gründlich!" ja, der Festfeind Pluvius vermochte es nicht zu hindern, daß am Festesvorabend, zur sogenannten "Bierprobe", sich eine stattliche, feuchtfrohe Zahl auf der Festwiese einfand, um pflicht- und traditionsgemäß zu proben. Erlaubt die herrschende Stimmung einen Schluß auf den Ausfall der Probe, so muß diese ein ganz hervorragendes Ergebnis geliefert haben; denn die fröhliche Stimmung steigerte sich in gleichem Schritte mit der flotten Zunahme der Probe-Maßen! >>>>>
Unterdessen strömen die Festteilnehmer in Scharen dem Schießhause zu, allwo Festkommers stattfindet. Eine hochansehnliche Festversammlung: die offizielle Welt, Schützen und Schützenfreunde von nah und fern füllen die weiten Hallen des geschmackvoll und sinnig dekorierten Schießhauses bis auf den letzten Platz. Weihevolle Stimmung überall! Dieser gehobenen Festesstimmung angepaßt war die Darbietung der vorzüglichen Festmusik- vollzählige Kapelle des Kgl. 5. Infanterie-Regiments unter Leitung des Kgl. Musikmeisters Fürst.
Als erster betritt der hochwürdige Stadtpfarrer, Herr Philipp von Harttung, das Podium und bringt den von ihm selbst verfaßten Prolog zum Vortrage.

Horch! Schuß auf Schuß, lautschmetternde Fanfaren
Daneben rauscht der Mainstrom seine Bahn;
Froh unter Lindenkronen lauschenden Scharen
Den Melodien auf weitem Wiesenplan.
Die Julisonn' vom Himmel strahlt, vom klaren,
Am Flaggenmast belichtend Fahn' um Fahn'.
Und grüne Joppen, viele, sieht man wallen,
Hin zu des Schützenhauses Schießstandhallen.
In's Tal grüßt die Basilika der Franken,
Des Staffelberges hohes Felsenhaupt,
Die Banzer Türme schlank empor sich ranken,
Das Auto, Dampfroß durch's Gelände schnaubt,
Rings Waldhöh'n rahmen Maingrunds Hügelflanken,
In Nadeln starrend oder dichtbelaubt.
Hier deutscher Süd und Norden sich berühren
Und der Verbrüd'rung Odem ist zu spüren.
Fleug' hin, mein Blick, entrückt in ferne Zeiten:
Durch's Stadttor tritt der Schützengilde Zug,
In Wams und Lederkoller Mannen schreiten,
Die Armbrust schulternd zu der Bolzen Flug.
Bald Feuerrohre um den Siegpreis streiten,
Die Gießers Kunst geschaffen, planend klug.
Zum Anger geht's mit Trommelschlag und Pfeifen. >>>>>
 Hei, wie die Spielleut' ineinander greifen! - -
Und wieder sind Jahrhunderte gegangen
Und neubelebt ward nie erlosch'ner Brauch.
Aus and'ren Zeiten and're Formen drangen,
Es wehte für die Schießkunst frischer Hauch.
Den Stutzen legt' man hoffend an die Wangen,
Und wenn in Lüften dann zerstob der Rauch,
Da ward verwünscht der Knechtschaft Nebelbrüten,
Ersehnt des Corsens Sturz und Freiheit, Frieden.
Jahraus, jahrein, seither die Büchsen knallen
Der Maintalschützen über Stadt und Land.
Wenn's sommerlich, sie gern zur Schießstatt wallen,
Zu üben ruhigen Blutes Aug' und Hand.
Gar wohl solch' mannhaft' Kurzweil will gefallen
Dem, der beflissen sich ihr zugewandt;
Und gilt es je des Feindes Prall zu trutzen,
Dann, Schütze, vor und brauche deinen Stutzen!
Zu edlem Wettstreit tritt man in die Schranken
Und jubelt neidlos bestem Kernschuß zu.
Jedweder Treffer freu' ohn' Scheelgedanken
Ein Schützenherz, sobald der Hahn in Ruh!
Nicht zucken darf die Wimper, Fuß nicht wanken,
Sonst weicht des Schützen Scheibenglück im Nu.
Wer wird die schmucke Jubelkette tragen
Als Schützenkönig wohl in nächsten Tagen? - - -
ja, Handschlag Euch und trautes Willkommgrüßen!
Beiströmend hoch Ihr uns're Sache ehrt.
Laßt, Brüder, Euch das Kommen nicht verdrießen,
Manch' Kleinod Gabentempel ja beschert!
Dank für die Treue, die Ihr uns erwiesen,
Viel lichte Freude d'rob sei Euch gewährt,
Und wandelt wieder Ihr auf Heimatpfaden,
Dann denkt der Lichtenfelser Kameraden.

Philipp von Harttung. >>>>>

Die Begrüßungsansprache hielt 1. Schützenmeister Heinrich Schardt.
Er sagte: "Als heute Nachmittag die Böllerschüsse durch das Maintal schallten, und die Berge das Echo widerhallten, da schlug wohl höher manches Schützenherz und freudig erregt lauschten wir der so lieblichen Musik. Wußten wir doch, daß dies die Einleitung zu unserem langersehnten Schützenfeste, das heuer um so mehr an Bedeutung gewinnt, als mit ihm zugleich die 100jährige Erinnerungsfeier der Wiederbegründung unserer Schützengesellschaft verbunden wird.
Ja, 100 Jahre und noch viel weiter, noch Jahrhunderte zurück, datiert die Geschichte unserer Gesellschaft. Doch seit 100 Jahren ununterbrochen weiß die Chronik von dem hiesigen Schießwesen zu berichten und war es unserer Gesellschaft gegönnt, unter zielbewußter Leitung stets eine führende, achtunggebietende Stelle unter den hiesigen Vereinen einzunehmen und zu erhalten. >>>>>
Mehr und mehr wuchs der kleine Baum heran zum Stamm, um nun dazustehen wie eine kernige deutsche Eiche, gen jeden Sturm gefeit. Stolz schauen wir zurück auf ein Jahrhundert erfreulicher, aufsteigender Entwicklung und deshalb konnten und durften wir dieses Erinnerungsjahr nicht klanglos und unbemerkt vorübergehen lassen. Deshalb hat die Generalversammlung einstimmig auf Vorschlag des Schützenausschusses beschlossen, heuer ein größeres Jubiläumsschießen zu veranstalten, und wir sind bei den Vorbereitungen auch allseitig in nicht geahnter entgegenkommender Weise seitens der Mitglieder, Freunde und Gönner unserer Gesellschaft unterstützt worden, so daß es uns ermöglicht ist, ein Festschießen abzuhalten, das sich jedem großen Schießen würdig an die Seite stellen kann.
So haben wir uns nun heute zusammengefunden, um in unserem so schönen eigenen Heime den Vorabend unseres Jubiläumsschießens würdig zu gestalten und das Fest geziemend einzuleiten. Und Sie, verehrte Gäste, sind erschienen, uns diesen Abend zu verschönern, zu verherrlichen zu helfen.
Ich danke Ihnen im Namen des Schützenmeisteramtes, daß Sie unserer Einladung so zahlreich Folge geleistet haben, zeigt doch Ihre starke Beteiligung, daß Sie gerne mit teilnehmen an unserem Jubel, an unserer Freude; herzlich heiße ich Sie alle willkommen!"
Groß war die Zahl der Ehrengäste und Jubilare, denen Schützenmeister Schardt besonderen Willkomm entbot. Mit dem Wunsch, das Jubiläumsfest möge einen alle Teile vollbefriedigenden Verlauf nehmen, schloß er seine beifällig aufgenommenen Worte. >>>>>
Nach ihm trat Schützenkommissär, Bezirksamtmann Dr. Roth, an das Rednerpult. Sein Trinkspruch galt dem Landesherrn und dem Schützenfest. Monatelang, so führte er aus, freut sich groß und klein auf das heimatliche Freischießen, weiß man doch, daß es da, wo die Büchsen knallen, gar hoch und fidel hergeht. Ja, man darf ohne Bedenken sagen: Die Schützenfeste waren und sind auch heute noch ein wesentlicher Bestandteil unseres Volkslebens. Es liege daher, bei Beginn der Säkularfeier der hiesigen Schützengesellschaft, einige Worte über die Bedeutung der Schützenfeste im allgemeinen zu sprechen und sich speziell über die historische Entwicklung der hiesigen Gesellschaft auszulassen, doch wird sich hierüber ein berufener Mund verbreiten. Hier in Schützenkreisen und bei Freunden des Schützenwesens brauche ich ja nicht darauf aufmerksam zu machen, daß das Schützenwerk ein edles Werk ist. Kaiser und Könige sind ihm oblegen und liegen ihm heute noch ob, und sowohl unser Kaiser, wie alle Mitglieder unseres Könighauses und nicht in letzter Linie unser vielgeliebter Regent, der trotz seiner bald 90 Jahre immer noch seinem Jagdvergnügen nachgeht und hierbei Erfrischung und Erholung aus seinen geliebten Bergen schöpft, widmen dem Schützenwesen ihre ganz besondere Aufmerksamkeit. Selbst ein trefflicher Schütze, hat er für alles Interesse, was mit dem Schützenwesen im Zusammenhange steht, und sein Wohlwollen ist den Schützen allzeit sicher. Und so soll auch am 100jährigen Stiftungstage der hiesigen Schützengesellschaft das erste Hoch dem gelten, der an der Spitze unseres bayerischen Vaterlandes steht, der jeden Feind, der uns angreifen sollte, zu treffen wissen wird, unserem allgeliebten Prinzregenten. Ich lade Sie daher ein, mit mir einzustimmen in den begeisterten Ruf - "Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold von Bayern, des Königreich Bayerns Verweser, der Schirmer und Förderer des edlen Schützenwesens, er lebe hoch, hoch, hodi!" >>>>>
Bürgermeister Adam Wenglein, der in seiner Person als ältestes Schützenmitglied selbst ein Stück ehrenwürdigen Schützengeistes verkörperte, war der nächste Redner. Wörtlich führte er aus: Zwei ehrenvolle Aufgaben sind es, die ich heute zu erfüllen habe. Als Bürgermeister der Stadt Lichtenfels obliegt mir die Ehrenpflicht unserer Kgl. priv. Scharfschützen-Gesellschaft, welche sich anschickt, die hundertjährige Jubelfeier ihrer Wiederbegründung heute und in den nächstfolgenden Tagen festlich zu begehen, im Namen der Stadt Lichtenfels unseren herzlichsten und innigsten Glückwunsch entgegenzubringen. Mit berechtigtem Stolze blicken wir alle auf diesen Verein, der seine Entstehung dem echten Bürgertume verdankt und eigentlich und rechtlich auf fünf Jahrhunderte seines Bestehens zurückblicken kann. Als Vertreter der Stadt Lichtenfels gilt mein Dank und volle Anerkennung unserer Kgl. priv. Scharfschützen-Gesellschaft, weil deren Ahnen, die damaligen Schießgesellen benannt, zur >>>>> Sicherung der Person und des Eigentums ihrer Bürger, mithin zur Erhaltung der allgemeinen Wohlfahrt und des Bürgerglücks, sowie auch zum Schutze der Stadt und ihrer Bewohner bei Kriegsnot und Gefahr im Laufe der Jahrhunderte eine ruhmvolle Tätigkeit entfaltet haben. Ich zolle meine vollste Anerkennung und Bewunderung dieser Vereinigung, welche es verstanden hat, nicht nur in engeren, sondern auch in den weitesten Kreisen, sogar bei Fürsten und hohem Adel ihrer Stadt und deren Bürgern ein hohes Ansehen zu verschaffen, dessen wir uns heute noch erfreuen und rühmen können, wofür unsere beiden reich dotierten Schützenketten und der gleichfalls äußerst reich bestellte Gabentempel den neuesten und sprechendsten Beweis liefern dürften. In diesem Sinne gratuliere ich nochmals unserer Scharfschützen-Gesellschaft Lichtenfels von ganzem Herzen und heiße alle unsere werten Gäste und Festteilnehmer, Schützen und Schützenfreunde namens der Stadt Lichtenfels nach altem Schützenbrauche mit treubiederem Handschlage und schützenbrüderlichem Gruße herzlichst willkommen. Möge unsere Jubelfeier in allen ihren Teilen einen guten würdigen Verlauf nehmen und neue Begeisterung für die edle Schützensache entfachen. Meinem lieben Schoßkinde von jeher, unserer lieben Schützengesellschaft, wie solche kurzweg und allgemein genannt wird, rufe ich ein kräftiges: "Vivat crescat, floreat ad multos annos" und beehre mich ihr als ein Zeichen meines Dankes, meiner treuen Anhänglichkeit einen Fahnennagel mit Widmung und mit der ergebensten Bitte zu übergeben, deneelben zur Erinnerung an den heutigen Tag und an ihr ältestes und treu ergebenstes Schützenmitglied gütigst anzunehmen und an ihrer >>>>>
Fahne befestigen zu wollen. - Es war mir ein wahres Herzensbedürfnis, meinen Wünschen und Gefühlen für die edle Schützensache Ausdruck geben zu können und diesen bekräftige ich in dem Rufe: Unsere liebe alte Kgl. priv. Scharfschützen-Gesellschaft Lichtenfels, sie lebe hoch, hoch, hoch!
Die eigentliche groß aufgebaute Festrede hielt Kommerzienrat und Schützenmeister Georg Krauss. Ausgehend von der Geschichte des Schützenwesens seit ältester Zeit, leitete er über zur Entwicklung der Lichtenfelser Gesellschaft.
Seine wertvollen, tiefschürfenden Ausführungen fanden in diesem Buch bereits ihre Ausbeute, weshalb sie hier nicht nochmals wiederholt werden sollen. Abschließend widmete Krauss auch dem Schützenfest als Volksfest eine freundliche Betrachtung. Wir folgen hier seinen eigenen Worten: Zum Beweise dafür, daß die Schützengesellschaft wie noch heute, ihr Schützenfest nicht als ihr Gesellschaftsfest, sondern vor allen Dingen als ein Volksfest betrachtet wissen wollte, will ich einzelne auf das leibliche Wohlergehen des konsumierenden Publikums bedachte Bestimmungen wiederholen, die einst ausdrücklich im Protokoll niedergelegt wurden: "Bierwirthe dürfen nur gutes Bier liefern und unverdorben verschenken. Es steht den Schützenvorständen die Kontrolle hierüber und das Recht zu, allenfalls widerlich schmeckendes oder gesundheitsschädliches Bier sofort zuschlagen und entfernen zu lassen. Alle übrigen Lebensmittel, welche zum Gebrauch gebracht werden, müssen gut zubereitet sein und dürfen nicht etwa Zeichen des Verderbens an sich tragen, wobei noch speziell den Besitzern von Bratwurstherden zur Bedingung gemacht wird, nur gutes, gesundes und frisches Fleisch zu ihren Würsten zu benützen, indem auch hier der >>>>> Schützengesellschaft das Recht zusteht, strengste Kontrolle zu üben." Das "juchhe", das in den 70er Jahren noch eine große Rolle spielte, ist heute von der Bildfläche verschwunden. Es war dieses sogenannte "judihe<' die dritte Bierhütte, in der Tanzmusik abgehalten werden durfte, und wo es am fidelsten herging.
Was seit den 70er Jahren Interessantes und Wissenswertes für unsere Gesellschaft sich ereignete, steht einem großen Teil unter Ihnen noch in lebhafter Erinnerung. Wir sehen in den 70er Jahren Schützenmeister an der Spitze der Gesellschaft stehen, die heute noch zu unserer Freude unter uns weilen, Herrn Bürgermeister Wenglein und Herrn Nikolaus Schmidt. Beide sind für eine stete Weiterentwicklung der Gesellschaft mit ihrer ganzen Kraft eingestanden und danken wir ihnen dies noch heute.
Einige alte gute Gepflogenheiten, die im Laufe der letzten Dezennien abgestreift wurden, muß ich doch hier noch einflechten. Neben einer Bestimmung, wonach die ersten drei Festschüsse im Namen Seiner Majestät des Königs abgegeben wurden, sah die Schießordnung auch vor, daß jedes "Zentruin" unter Pauken- und Trompetenklang vom Scheibenstand abgeholt und gefeiert wurde, jeder Treffer im inneren Kreis des Schwarzen bewirkte das Losgehen eines Böllerschusses und das Aufspringen eines Bajazzo hinter der Scheibe. Auch Rechnungen für von den Schützenmeistern während des Schützenfestes getrunkenes "Zuckerwasser", wie sie Herr Bürgermeister Wenglein bei Übernahme seines Schützenmeisteramtes vorfand, gibt es keine mehr. Es soll nämlich bestimmt gewesen sein, daß die Gesellschaft für das während des Schützenfestes von den Schützenmeistern genossene Zuckerwasser aufzukommen habe, in Wirklichkeit sollen aber die Schützenmeister schon damals den Gerstensaft dem Zuckerwasser vorgezogen und nur in den Rechnungen ihre Alkoholfeindlichkeit bekundet haben. >>>>>
Die Gesellschaft nahm immer modernere Formen an und ist mit nimmer ermüdender Kraft ihren Weg vorwärts geschritten, um sich nach und nach auf die Höhe zu bringen, die sie heute erklommen hat. Wir sehen, wie zu Anfang dieses Jahrhunderts das Schießhaus schon wieder sich als zu klein erwies, mit Energie und ohne Bangen schritten wir deshalb zum abermaligen Ausbau dieses Hauses. Es wurden keine Kosten gescheut, um unserer Gesellschaft ein zeitgemäßes Heim und den befreundeten hiesigen Vereinen einen angenehmen Aufenthalt bei ihren festlichen Gelegenheiten zu schaffen. Und ich bin mir wohl eins mit meinen Schützenbrüdern, wenn ich hier behaupte, daß wir alle unsere Freude haben an unserem neuausgebauten Heim, daß wir alle stolz sind auf unser gemütliches schönes Schießhaus. >>>>>
Gleichen Schritt mit der Erweiterung des Hauses hielt auch die Entwicklung des Schießwesens, die Begeisterung und Freude an unserem Schießsport. Denken wir noch 10 Jahre zurück, nur 10 Jahre sage ich, und wir werden finden, daß eine geradezu unglaubliche Entfaltung auf diesem Gebiete stattgefunden hat. Vor zehn Jahren noch zwei primitive Scheibenstände, vor sechs Jahren schon eine geräumige Schießhalle mit fünf modernen Ständen, und heute eine freie Bahn für neun Stände, wie sie wohl kaum an anderen Orten von der Bedeutung von Lichtenfels anzutreffen sind. Und wenn ich auch zugebe, daß diese weiteren vier Stände hauptsächlich in Anbetracht unseres jetzigen Jubiläumsschießens errichtet wurden, so gewann ich doch heuer zur Zeit des Anschießens den Eindruck, daß es hier keines Jubiläumsschießens bedarf, um auch diese neue Einrichtung zur Geltung zu bringen, im Gegenteil, es schien fast so, als ob auch diese neun Stände nicht mehr genügen wollten. Auch das Schießen auf das laufende Wild haben unsere aktiven Schützen in den letzten Jahren aufgegriffen, ebenso noch das Zimmerstutzenschießen, dem während der Wintermonate gehuldigt wird, wodurch der sportliche Geist nicht nur zur Sommerszeit währen und die Kameradschaftlichkeit unter den Schützen eine weitere Anregung erhalten sollte. Die Zahl der aktiven Schützen hat heute eine Höhe erreicht, wie nie zuvor: nicht weniger als 39 aktive Schützen treten heute vor die Front, sie alle, das weiß ich, hängen mit Liebe an unserem Schießwesen und geben eine sichere Gewähr dafür, daß kein Stillstand eintreten werde in der Weiterentwicklung unserer Schützengesellschaft.
Und wenn wir ja auch zugeben, daß unsere Gesellschaft immer noch weitere Fortschritte machen kann, daß sie ihre Vollkommenheit noch nicht erreicht haben mag, so dürfen wir doch mit Befriedigung feststellen, daß die hiesige Schützengesellschaft noch nie zuvor auf der Höhe stand, auf der wir sie heute sehen. Sie hat rastlos weitergearbeitet und stetig sich weiterentwickelt, sie hat nie gefehlt, das schöne Dichterwort auch in der Praxis zur Wahrheit zu machen: >>>>>
"Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen!"

Bei all ihrer eigenen Kraft, mit der die Schützengesellschaft stets gearbeitet hat, bei all dem Opfermut und aller Begeisterung ihrer Mitglieder, hätte sie doch nicht zu solcher Blüte sich entwickeln können, wenn sie nicht die ihr im höchsten Maße gewordene Unterstützung gefunden hätte, deren sie bedurfte. Und ich komme nun zum letzten Punkte meiner Ausführungen, zu der Erfüllung der Pflicht, denen zu danken, denen Dank gebührt. Wir danken an dieser Stelle zunächst unseren erlauchten Fürstlichkeiten, die stets und immerdar, schon seit altersher das Interesse der Schützengesellschaften vertreten haben, die - an der Spitze unser allverehrter, gnädigster Landesvater, Prinzregent Luitpold, - auch jetzt wieder unserer Bitte um Verleihung von Denkmünzen für unsere Jubiläumskette gnädigst entsprachen und dadurch aufs bestimmteste bewiesen, daß ihr Interesse an den Schützengesellschaften, die im Königreich Bayern schon seit dem Jahre 1868 besondere Privilegien genießen, nicht erkaltet ist. Wir danken ferner dem mühevollen Walten der jeweiligen Schützenkommissäre und Schützenmeister, die mit Energie und Liebe die Zügel straff hielten und arbeiteten nur zum Wohle und zum Besten unserer Gesellschaft. Ich kann hier nicht umhin, eines Schützenmeisters ganz besonderer Erwähnung zu tun, der zu unser aller großen Freude hier zugegen ist, des Herrn Adam Wenglein, unseres allverehrten Herrn Bürgermeisters. Er, der nicht nur unser ältestes Mitglied, sondern seit 1895 auch Ehrenmitglied unserer Gesellschaft ist, bekleidete vom Jahre 1862 bis zum Jahre 1884 mit kurzen Unterbrechungen die Würde und das Amt eines Schützenmeisters und hat sich in dieser Zeit seines Wirkens unauslöschliche, unvergeßliche Verdienste um die Gesellschaft erworben. Auch heute noch tritt er mit unermüdlichem Eifer ein für alles, was das Interesse der Schützengesellschaft erheischt, in ihm besaß die Gesellschaft einen ihrer tüchtigsten Schützenmeister, dessen Verdienste uns zum größten Dank verpflichten. Das warme Interesse des Herrn Bürgermeisters Wenglein für die Schützengesellschaft hat sich auch auf dessen Sohn, Herrn Stephan Wenglein, übertragen, der ebenfalls viele Jahre ein treuer und aufopfernder Vertreter unseres Vereins war und den wir als Gast freudigst begrüßen dürfen. >>>>>
Wir danken schließlich ganz besonders der Stadt Lichtenfels für das jederzeitige Entgegenkommen, das sie unserer Gesellschaft erwiesen hat. Sie hat - wie schon bemerkt - bereits vor Jahrhunderten den richtigen Wert, die nationale Bedeutung der Schützengesellschaften erkannt und sie durch Überlassung des Schießstandes durch Gewährung von Preisen bei den Festschießen, durch besondere Vorrechte, die sie den Schützen einräumte, deren Sache unterstützt und gefördert. Sie hat in späteren Jahren - ich erinnere an das Jahr 1812 (Aufsatz von Jäck) - durch Überlassung des Rathauses zu theatralischen Aufführungen der Schützengesellschaft während des Freischießens bewiesen, daß sie den Charakter des Volksfestes, die Bedeutung des Freischießens als Volksfest richtig erkannte, sie hat in neuerer Zeit - ich betone nur die kostenlose Überlassung des Bauplatzes zum Schießhaus, die Erlaubnis zur Erweiterung und Verlängerung, der Schießbahnen, Überlassung des Musikpodiums während der Feste -, späterhin durch formelles Abtreten des Bauplatzes zum Gesellschafts-Eigentum, heute durch Verleihung einer herrlichen Münze für unsere Kette, durch Stiftung eines hohen Geldpreises für unser Jubiläumsschießen und durch vieles anderes mehr -, jederzeit der Schützengesellschaft weitestgehendes Wohlwollen bezeigt.
Ich glaube namens der Schützengesellschaft die feste Zusicherung geben zu dürfen, daß sie sich dieses Wohlwollens stets würdig zeigen wird; wir wollen, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, mit echt patriotischem Sinn, mit wahrer tiefer Vaterlandsliebe festhalten an Kaiser und Reich, wir wollen fortfahren, daran zu arbeiten, in unseren Schützenfesten den Gedanken des Volksfestes weiter festzuhalten und weiter zu beleben. >>>>>
Und zur Bekräftigung dieses Versprechens, zum Zeichen der Dankbarkeit, die wir für unsere liebe Stadt Lichtenfels empfinden, fordere ich Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf:
Die Stadt Lichtenfels, sie wachse, blühe und gedeihe, sie lebe hoch, hoch, hoch!
Hierauf betrat das Podium Fräulein Hedwig Kaltenthaler, um namens der Jungfrauen von Lichtenfels ein prächtiges Fahnenband als Zeichen der freudigsten Festanteilnahme und der lebhaftesten Sympathie für die Schützensache zu überreichen.
Der Fahnenjunker der Scharfschützengesellschaft, Herr Kaufmann Hans Brückner jun., dankte in beredter, herzlichster Weise für das Ehrenband und gab die freudige Versicherung, daß man, so oft die goldenen Fransen beim Schwenken der Fahne blitzen und blinken, gerne und dankbar gedenkt der lieben Spenderinnen. >>>>>
Innigsten Dank entbot er sodann Herrn Bürgermeister Wenglein, versichernd, daß ebenso wie der vom genannten, allverehrten Herrn gestiftete Ehrennagel untrennbar vereint ist mit der Vereinsfahne, der Name "Wenglein" untrennbar und unlöschbar ist und bleiben wird mit der Schützengilde Lichtenfels.
Herr Magistratsrat Andreas Mahr entledigte sich des ehrenden Auftrages des Verwaltungsrates der "Freiwilligen Feuerwehr" von Lichtenfels durch Überreichung einer Ehrengabe in Gestalt eines kunstvoll gefertigten Pokales. Er schloß mit dem Wunsche, daß die schöne Harmonie zwischen Schützengilde und Freiwilliger Feuerwehr fortbestehen möge fernerhin wie bisher.
Mit Aug' und Hand fürs Vaterland! Alle für Einen, Einer für Alle!
Herr Gemeindebevollmächtigter Simon Fischer überbrachte im Auftrage des "Krieger- und Veteranenvereins Lichtenfels" als Ehrengabe die Büste unseres Prinzregenten mit der Versicherung, daß der "Krieger- und Veteranenverein" die hohen und idealen Bestrebungen der verehrlichen Schützengesellschaft wohl zu würdigen weiß.
Herr Stadtkämmerer Pramberger übergab namens des hiesigen "Liederkranzes" eine
äußerst geschmackvolle Ehrengabe, wünschend, daß ein günstiger Stern walten möge über dem großen Jubiläumsschießen! >>>>>
Weiters wurden teils persönlich, teils durch Boten dem Schützenmeisteramte Ehrengaben übermittelt
vom Tennis-Club Lichtenfels" eine Bowle
vom "Turnverein Lichtenfels" Weinbowle
vom "Kaufmännischen Verein Lichtenfels", Tafelaufsatz
vom Turnerbund Lichtenfels" Barometer
vom "Winter-Sport-Verein Lichtenfels" Weinkühler
vom "Obst- und Gartenbau-Verein Lichtenfels" Weinkühler
vom "Jagd-Klub Lichtenfels" Jagd-Scheiben-Stutzen
von der "Zimmerstutzen-Schützengesellschaft Lichtenfels" Jagd-Scheiben-Stutzen
vom "1.Fußball-Club Lichtenfels". >>>>>
Auch Private gedachten in diesen Tagen spendend der liebgewonnenen Gilde.
So sandte Herr Ed. Janson aus New York eine wunderbare Ehrengabe mit Widmung, einen amerikanischen Hirschkopf mit Geweih, eine Zierde des Schießhaussaales.
Fürwahr: der Vorabend zur hundertjährigen Jubelfeier, der 9.Juli 1910, er glänzt und leuchtet in goldenen Lettern in der Geschichte unserer Kgl. priv. ScharfschützenGesellschaft!
Festsonntag, der 10.Juli 1910: Die rührige Einwohnerschaft legt in früher Morgenstunde die letzte Hand an die Schmückung der Häuser und Straßen. Lichtenfels trägt allerorts schmuckes Festgewand! Am Bahnhofplatz und am Eingang zum Festplatz entbieten hohe Ehrenpforten freundlichen Willkommgruß!
Schüsse knattern, Fahnen flattern, Liebe Gäste, Frohe Feste!
Dies Zeichen beherrscht in diesen Tagen unser teures Heimatstädtchen. Indessen bleigrau hängen düstere Wolken am Himmel. >>>>>
Die frommen Beter verlassen die gottesdienstlichen Stunden, die Eisenbahnzüge bringen Freunde und Gäste in großer Zahl; belebt sind die Straßen und öffentlichen Plätze wie selten. Ein allgemeiner Zug des Menschenstromes zur äußeren Kronacher Straße ist bemerkbar: es beginnen die Vorbereitungen zur Aufstellung des imposanten Festzuges.

Die Sonne läßt sich's nicht nehmen, sie lüftet die Wolken und beschaut in mildem Scheine das farbenreiche Bild, wie es reizvoll entsteht.
1. Schmucke Herolde auf stattlichen Pferden an der Spitze des festlichen Zuges.
2. Ihnen folgt eine blankgekleidete Feuerwehrabteilung.
3. Für klingendes Spiel der ersten Zughälfte sorgt hier die I. Abteilung der Festmusik.
4. Die Vereine der Stadt Lichtenfels nehmen hier im Festzuge Platz.
5. Angliedernd folgen sodann die erschienenen auswärtigen Schützenvereine: Coburg (mit Fahne), Kronach (mit Fahne), Marktzeuln (mit Fahne), Münchberg, St. Georgen (mit Fahne), Staffelstein (mit Fahne). >>>>>
6. Zweite Abteilung der Festmusik.
7. Die Stadtvertretung.
8. Die bunte Zielergruppe.
9. Kleine Knaben mit Fahnen und Scheiben.
10. Zwei schmucke Glieder im stattlichen Zuge bildeten der Tellschütze mit Knabe und
11. die Armbrustschützen.
12. Ein sehniger Fahnenjunker mit zwei schmucken Begleitern erscheinen nunmehr mit der Schützenfahne.
13. Sofort dahinter folgt der Kgl. Schützenkommissär und
14. die hiesigen Schützen.
15. Den Schluß des allseits Bewunderung erregenden Festzuges bildet eine Abteilung Feuerwehr.

Der Festzug durchzog die Kronacher, die Bamberger Straße (im Gegenzug), die Bahnhofstraße, die Badgasse, den Marktplatz, umkreiste das Rathaus, bewegte sich weiter durch die Laurenzi- und Hirtenstraße, Coburger Straße zum Festplatz. >>>>>
Heller Jubel und prächtige Blumenspenden grüßten in allen Straßen die große Anzahl der Teilnehmer am Festzuge. Die allgemeine Begeisterung erreichte wohl vor der Wohnung des Bürgermeisters und Ehrenmitgliedes, Herrn Adam Wenglein, ihren Höhepunkt, gipfelnd in einem Hoch, ausgebracht vom Herrn Schützenmeister Heinrich Schardt.
Als der Festzug auf dem Festplatz einmündete, waren die altersgrauen Pappeln und die weltkronigen Linden der Festwiese nicht mehr imstande, die tausend und abertausend Gäste zu bergen unter ihren Schatten. Welch buntes Festgetriebe! Welch frohe Feststimmung! Wie allseitig die Festfreude! Und statten wir den Schießständen einen Besuch ab. Die Schüsse knattern im lebhaftesten Tempo! Die wackeren Schützen von daheim, von nah und fern sind heuer besonders der Mittelpunkt des Festes und das mit Fug und Recht. Sie haben das Erbe ihrer Väter übernommen und haben's hoch und heilig gehalten bis zur Stunde! Liebe zum heimatlichen Herde, Treue zu Fürst und Vaterland, ein offen Auge, ein starker Arm, ein freies Wort, Brudersinn in Freud und Leid, nicht zuletzt Lieb' und Verehrung dem deutschen Weib: das ist der deutschen Schützen Art, das beseelt unsere Tells jünger. Frohsinn, Frohmut und Fröhlichkeit durchlebte das Schießhaus in diesen Tagen. >>>>>
Der riesige Verkehr am Festsonntag am Festplatze, in der Stadt und am Bahnhof wickelte sich glatt ab. Am Festmontag konnte man sich des Liedchens nicht erwehren, ja die gehobene Brust wollte es in mächtigen Tönen in die schöne Welt hineinsingen: "0 Sonnenschein, o Sonnenschein! Wie scheinst du mir ins Herz hinein!" Zur allerorts waltenden, belebenden und beglückenden Feststimmung gesellte sich nun als willkommender Gast: Festwetter! Die längst uns meidende Sonne konnte nicht länger grollen und schmollen, nein, sie wollte auch teilhaben am gelungenen Jubelfeste und zeigte sich zu unser aller Freude in alter Schönheit und Kraft für die gesamten Festtage. Jeder Tag versammelte einen Größteil. von Lichtenfels auf der Festwiese. Auch die Besuchstreue der Nachbarorte bewährte sich an allen Festtagen. jeder der festlichen Tage zeigte, wie angenehm und erquickend sich's auf der reichbeschatteten Festwiese feiern läßt. >>>>>
Der verzapfte Stoff war vorzüglich, Schießhausküche und Bratwurstbuden fanden fleißig Zuspruch und ernteten vollstes Lob. Wer für ideale Genüsse schwärmt, lauscht den herrlichen Weisen der Fünferkapelle, andere suchen und finden Vergnügen und Unterhaltung bei den zahlreichen Schaustellungen auf der Festwiese. Festliches Treiben herrschte alltags bis in tiefnächtlicher Stunde auf dem Festplatz.
121 Schützen aus nah und fern beteiligten sich aktiv am ehrlichen Wettbewerb. Die dem Schießhaus benachbarte freundliche Turnhalle war ihrer Bestimmung untreu geworden, sie ist zum Schmuckkästchen geworden, zum Ehrengabentempel. Einig ist man wohl allseits darin, daß noch selten ein Schützenverein ein Jubiläumsschießen an Ehrengaben so ausstatten konnte, wie Lichtenfels es vermochte. Beredtes Zeugnis von der Sympathie und dem Korpsgeist, der die Schützengilde unter sich beseelt!
Mit Donnerstag, den 14.Juli 1910, ging das Jubiläumsfest seinem Ende zu. Abends 61/2 Uhr fand feierlicher Rückzug zum Rathaus und um 9 Uhr im Schießhaussaal Preisverteilung statt.
Als Schützenkönig wurde Reallehrer Dr. Weiß proklamiert und ihm vom Schützenmeister H. Schardt die neue Schützenkönigskette angelegt. >>>>>
Überschauen wir nochmals das Säkular-Jubiläumsschießen der Kgl. priv. ScharfschützenGesellschaft Lichtenfels, so dürfen wir wohlberechtigt und ohne Überhebung festlegen: der Jubelverein kann und darf hochbefriedigt auf die schön verlaufenen, vom Wetter begünstigten und durch nicht den geringsten Mißton getrübten Festtage zurückblicken. Wahrlich, die Jubelfeier war eine großzügige Veranstaltung, die sich hervorhob über tausend andere derartige Feiern!

Soweit der in der offiziellen "Denkschrift" niedergelegte Festbericht.

Der Dank an die Öffentlichkeit hatte folgenden Wortlaut:
"Danksagung
Das unterfertigte Schützenmeisteramt beehrt sich der sehr verehrlichen Bürger- und Einwohnerschaft von Lichtenfels für die reiche Beflaggung und schmucke Dekorierung der Häuser gelegentlich unseres Festzuges, ferner die freundliche Teilnahme an unseren Festlichkeiten bei unserer 100jährigen Jubiläumsfeier, sowie auch den hiesigen sehr geehrten Vereinen für die uns gestifteten herrlichen und wertvollen Ehrengaben, welche uns ein stets ehrendes Andenken der freundlichen gegenseitigen Beziehungen sein sollen, kurz
Allen,
welche in irgend einer Weise zur Verherrlichung unseres Jubiläumsfestes beigetragen haben, unseren innigsten und herzlichsten Dank auszusprechen, mit der ergebenen Bitte, uns gütigst auch ferneres Wohlwollen zu erhalten. >>>>>
Hochachtungsvollst!
Das Schützenmeisteramt
der Kgl. priv. Scharfschützen-Gesellschaft Lichtenfels."
("Lichtenfelser Tagblatt" Nr. 161 v. 18.Juli 1910)

Aus Anlaß der Jubelfeier wurde auch die Schießmauer, samt den Blenden und das Zielerhäuschen überholt sowie die Schießplatz-Umzäunung überwiegend erneuert.
 
 



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