Königl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels

 
Die Künstler "hinter" den Schützenscheiben
 

Chronik-Inhalt


 
Bernhard Schoder

geb.: 24. April 1914 in Schney

Zweiter Schützenmeister von 1967 bis 1973.
zum Ehrenmitglied ernannt 20.3.1986

Schon vor seinem Eintritt 1958 in die Lichtenfelser Schützengesellschaft schnitzte der gelernte Schreinermeister seit 1953 Schützenscheiben. Die Jubiläums Festscheibe von 1960 war dann sein Debütstück für die Lichtenfelser und stellt das Emblem der Gesellschaft dar. Seit damals hat er zig kunstvolle Scheiben ins Holz getrieben. Die Schützenscheiben der Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft, vor allem aus der jüngeren Vergangenheit, sind besondere Kostbarkeiten. Denn sie sind nicht wie die meist bekannten Scheiben gemalt, sondern kunstvoll in Holz geschnitzt. Die Auftraggeber von Bernhard Schoder waren zumeist die Gewinner der Ehrenscheiben vom Abschießen, aber auch so mancher Liebhaber von der „Kunst in Holz“.
Eines seiner letzten Meisterstücke stellt die große Holztafel mit dem Emblem der „Königlich privilegierten  Scharfschützengesellschaft Lichtenfels“ dar. Dieses hat Bernhard Schoder für die Einweihung der neuen Schießanlage im Jahr 2000 liebevoll in eine  große Holztafel getrieben.

Sein besonderer Stolz sind eine von ihm erstellt Kopie der "Nachtwache" von Rembrandt welche er 1978 in über 300 Arbeitsstunden anfertigte, sowie das Wappen der "GSG 9" für welches er einen persönlichen Dank von General Wegener erhalten hat.

 

Artikel aus dem Obermain-Tagblatt vom 20.Oktober 2007

Mit Hingabe geschnitzt und gemalt

Bernhard Schoder (93) hat unzählige Kunstwerke geschaffen /
Seine Schützenscheiben sind sehr begehrt

Artikel von Roger Martin / mit freundlicher Genehmigung  

Dass Schoder demnächst 94 Jahre alt wird, sieht und merkt man ihm nicht an. „Natürlich muss man in diesem Alter Abstriche machen, aber ich fühle mich noch gut und bin geistig fit", sagt der Schneyer. „Ich fahre noch heute mit dem Mofa nach Lichtenfels", ergänzt er stolz. Dass er aus Altersgründen seit einigen Jahren seinen kunsthandwerklichen Talenten nicht mehr fröhnen kann, akzeptiert er. Seine geschnitzten Kunstwerke sind so zahlreich, dass man ihnen in der Wohnung und auf dem übrigen Anwesen in der Parkstraße auf Schritt und Tritt begegnet. Hier eine Madonna, dort ein Christophorus, hier ein „Letztes Abendmahl", dort Kloster Banz als Wandtafel. Schoder schnitzte nicht nur leidenschaftlich gerne, er hat auch gerne und schmuckvoll gemalt und gezeichnet. Es gibt kaum ein Bild in seiner Wohnung, das nicht von ihm stammt. Die Schnitzerei aber war das beherrschende Hobby.

1950 begann Schoders Karriere als Schützenscheiben-Schnitzer. Es war eine Auftragsarbeit für den Schneyer Schützenverein. „Für die Stunde habe ich damals einen Arbeitslohn von 50 Pfennigen verlangt", erinnert sich der Künstler. Das hat sich natürlich in der Folgezeit gesteigert. „Reich bin ich mit diesen Arbeiten aber nicht geworden", schränkt er gleich ein. Dass der Schneyer wunderschöne und handwerklich ausgezeichnete Schützenscheiben herstellen kann, sprach sich im damals noch selbstständigen Schney und in Lichtenfels und bald auch weit über die Grenzen unserer Heimat hinaus herum. Schoder erhielt Aufträge von den Königlich Privilegierten Scharfschützen in Lichtenfels, den Schützen in Staffelstein, aber auch von Schützen aus Südtirol und aus dem Norden Deutschlands, ja sogar aus den USA. Im Schützenhaus in Lichtenfels zum Beispiel können die handgeschnitzten Scheiben Schoders bewundert werden. Am vergangenen Wochenende präsentierte dort Erster Schützenmeister Siegfried Jäckel die neue Ehrenscheibe der Scharfschützen in Lichtenfels, eine Jochen-Thiel-Gedächtnisscheibe. Der viel zu früh verstorbene frühere Erste Schützenmeister hatte die Scheibe kurz vor seinem Tod bei Bernhard Schoder in Auftrag gegeben: Das Ergebnis ist ein Meisterwerk, das nun im Schützenhaus einen Ehrenplatz erhält.
Schoder hat die Kunst des Holzschnitzens nirgendwo gelernt. „Ich bin reiner Autodidakt. Ich habe mir alles selbst beigebracht", sagt er. Natürlich ist er durch den väterlichen Schreinereibetrieb in Schney „vorbelastet" gewesen. Einige Jahre lang, nach Ende der Kriegsgefangenschaft, arbeitete Schoder auch dort. 1955 legte er die Meisterprüfung ab. Wenig später dann schied er aus dem Betrieb aus und ging zur Post, wo er bis 1977 blieb. Seitdem ist er Pensionist. Seinem kunsthandwerklichen Hobby ist er lange darüber hinaus nachgegangen. Zuhause hatte er sich schon früh eine passende Werkstatt eingerichtet.
Seine Werke fertigte Schoder aus Lindenholz. Entsprechende rohe Holzblöcke holte er sich aus Sägewerken und formte sie zu Kunstwerken. Für eine Schützenscheibe brauchte er durchschnittlich 50 Stunden. Alles Handarbeit, versteht sich. Am Ende behandelte er das Holz mit einer Beize und einer Lasur. Danach bemalte er es mit Aquarellfarben. Entscheidend für die Ausfertigung seien jeweils die Vorgaben des Auftraggebers gewesen, erläutert er. Die passte der Künstler dann seiner „plastischen Vorstellung" an und begann zu schnitzen. Eigentlich wollte der Schneyer keine Handwerkskarriere einschlagen „Mein Wunsch war es, Kunstmaler zu werden", sagt er. Der Vater habe ihm aber eine Ausbildung in einer Kunstakademie nicht finanzieren können.

Schoder hatte zwei Geschwister. Aus „wirtschaftlicher Not" sei er 1933 zur Reichswehr nach München gegangen. Dort blieb er einige Jahre und wurde als Mitglied der 4. Gebirgsdivision zum Kriegsdienst eingezogen. Seine Zugehörigkeit zur Gebirgsdivision kommt nicht von ungefähr. Schoder war ein eingefleischter Bergwanderer und hat mehrere 3000er in den Gebirgen in Bayern und Tirol bestiegen. „Auf den Berghütten habe ich sehr schöne Zeiten verlebt", sagt Schoder, der von sich selbst sagt, er sei „sehr naturverbunden". An die Friedenszeit in der Reichswehr erinnert sich Schoder gerne. Er war beim dortigen Spielmannszug und spielte bei großen Anlässen. Schoder brachte es zum Unteroffizier und genoss Ansehen. Der Zweite Weltkrieg riss auch ihn aus dem gewohnten Leben. Als Soldat war er bei Militär-Operationen in Polen, Frankreich, Jugoslawien, „Russland von A bis Z" und zum Schluss in der Tschechoslowakei dabei. Auf dem Rückzug sei er am „Schwarzen Meer" mit seiner Kompanie eingeschlossen gewesen. Er konnte sich mit einem waghalsigen Sprung auf die Kühlerhaube eines ausfahrenden Lkw der Wehrmacht retten. Später geriet er in russische Gefangenschaft. Die dortigen Aufseher wurden auf den jungen Mann aus Schney aufmerksam: Schoder schnitzte in der Gefangenschaft einfache Gebrauchsgegenstände, die die Russen beeindruckten. Unter anderem restaurierte er damals eine Original-Stradivari-Geige.
In Schney ist OT-Leser Schoder hochgeachtet und bekannt. Kaum einer weiß vielleicht heute noch, dass er in dem Ort einer der ersten Skifahrer war. „Ich habe mir nach dem Zweiten Weltkrieg selbst ein paar Ski gefertigt", erzählt er.
Auch politisch war Schoder sehr aktiv: Die Schneyer wählten ihn in den Gemeinderat, dem er 12 Jahre als Mitglied der Freien Wähler angehörte. Sechs Jahre lang, bis zur Eingemeindung Schneys nach Lichtenfels, war Schoder 3. Bürgermeister.
Die Schützen schätzen ihn sehr und haben ihm bereits höchste Ehren zuteil werden lassen. Bei den Scharfschützen in Lichtenfels, wo er 8 Jahre 2. Schützenmeister war, und bei den Zimmerstutzen-Schützen in Schney ist er Ehrenmitglied.
Seine Schützenscheiben sind begehrt. Obwohl er so viele davon geschnitzt hat, befindet sich keine mehr bei ihm zu Hause. Gab es eine von ihm geschnitzte Schützenscheibe, auf die er besonders stolz war, fragen wir ihn. „Nein", antwortet er, „mir haben sie alle gefallen."

 

 

 
Hans Schnappauf

geb.:  7. August 1921

gest.: 25. Oktober 1999

zum Ehrenmitglied ernannt 20.3.1986

Seit seinem Eintritt 1954 in die Schützengesellschaft zeichnete er sich durch treue Dienste in vielen Bereichen aus. 25 Jahre lang, von 1957 bis 1982, hatte Hans Schnappauf als Damenwart immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Damen in der Schützengesellschaft. Über Jahrzehnte hinweg dekorierte er das Schützenhaus und sorgte dafür, dass die Faschingsveranstaltungen immer den richtigen "Anstrich" erhielten. Bei den Sonderschießen (Fasching, Ostern und Nikolaus) fanden die von ihm kunstvoll gestalteten Schießscheiben immer große Bewunderung. Als Dank für die treue Mitarbeit wurde er  1986 zum Ehrenmitglied der Schützengesellschaft.

 

   
   


 

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