Königl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels

Schützenmeister Och fährt zum Ersten Deutschen Bundestreffen in Frankfurt 1862

Chronik-Inhalt

Eine kleine Episode aus dem Leben des 1.Schützenmeisters Georg Och, die bezeugt, wie sehr er der Schützensache und seiner Schützengesellschaft verbunden war. Der Genannte war mit Anna Och, einer geborenen Dehler, verheiratet, einer vermögenden Frau, die aber dem lebenslustigen und großzügigen Herrn und guten Gesellschafter  manchmal „Einhalt gebieten“ mußte. >>>>>
Das erste Bundesschießen in Frankfurt am Main im Jahre 1862 nahte heran und Och wäre doch gerne dabei gewesen. Es war zu einer Zeit, als die ersten Eisenbahnen verkehrten. Seiner "gestrengen besseren Ehehälfte" gab Och an, einmal nach Bamberg zu fahren. Vorher hatte aber der leidenschaftliche Schütze schon ohne Wissen seiner Gattin seine Schützenuniform und  Schützenausrüstung in einer Gastwirtschaft am Bahnhof (später Pausonhaus) hinterlegt. Dort vollzog sich schnell vor der Abreise die Verwandlung des biederen Zivilisten in einen schmucken Schützen. Als er am zweiten und dritten Tag von seiner angeblichen Fahrt nach Bamberg noch nicht zurückgekehrt war, ließ sich des Schützen Frau damit trösten, daß er ja bei seinem Vetter in Bamberg gut aufgehoben sei. Erst am vierten Tag entschlossen sich die eingeweihten Angehörigen der allmählich unruhig gewordenen guten Frau die Wahrheit über die heimliche Reise zu sagen. >>>>>
Nach einer Woche kehrte der l. Schützenmeister Georg Och aus Frankfurt zurück, am Bahnhof von seinen Schützenbrüdern, die mit Musik Aufstellung genommen hatten, begeistert empfangen. Mit schneidiger Marschmusik wurde der "Ausreißer" durch das kleine Städtchen Lichtenfels zu seiner Wohnung geleitet. Bei all' diesen großen Ovationen, die natürlich auch der "gestrengen" Gattin galten, schlug ihr doch das schützenschwesterliche Herz und sie war wieder milde gestimmt, zumal Tage nachher die zwei in Frankfurt eingekauften Zimmereinrichtungen im Biedermeier-Stil eintrafen. Als Schützenpreis brachte der Schütze unter anderem eine wertvolle Uhr in Porzellanfassung unter Glasgehäuse mit nach Hause.
Frau Och, die ihren Gatten 31 Jahre überlebte, erzählte dessen Streich später voller Stolz öfters und gern im Kreise ihrer Lieben.
 
 



zum Seitenanfang